Welt verändern

Der Versuch, die Welt zu verändern, hat sich bekanntlich als ziemlich zähe Angelegenheit erwiesen. Kann man das überhaupt? Und wenn ja wer und dann womöglich noch zum Guten? Ich möchte dazu ein Gedankenspiel wagen, beginnend mit dieser These:

Alle Verbraucher zusammen wären die mächtigste Organisation der Welt. Alle Verbraucher einzeln sind das ohnmächtigste Stimmvieh der Welt.

Man stelle sich dazu vor, es gäbe einen Verbraucher-Verband, dem Millionen Leute in Deutschland angehören. Dieser Verband definiert einen Konsum-Kodex. Auf die schwarze Liste kommen zum Beispiel Unternehmen, die in Deutschland satte Gewinne erwirtschaften, aber keine Steuern zahlen. Oder Produkte aus unfairer, umweltschädigender oder sonstwie dem Gemeinwohl abträglicher Herstellung. Oder Konzerne, die ihren Vorständen obszön hohe Gehälter zahlen. Oder Firmen, die systematisch Kinder zu Zuckerjunkies erziehen. Oder Monopole, die ihre Marktmacht missbrauchen. Und so weiter und so weiter.

Die Mitglieder des Verbands verpflichten sich, ihr Konsumverhalten nach den Vorgaben des Verbandes zu gestalten. Würde ein Faktencheck also ein Unternehmen als eindeutig sittenwidrig ausweisen, hätte dies einen Boykott von Millionen Käufern zu Folge. Die organisierten Verbraucher könnten dadurch ein unfaires Unternehmen von einem Tag auf den anderen ruinieren oder mindestens schwer schädigen. Alle Räder stehen still, wenn der Verbraucher Euren Scheiß nicht mehr will, hieß es dann.

Mit anderen Worten, um zur eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Die Antwort lautet: Ja. Organisierte Verbraucher könnten die Welt nicht nur ändern, sondern im gewünschten Sinne und mit sofortiger Wirkung. Kein Unternehmen könnte sich mehr den heute üblichen Schweinkram leisten. Keinem Lobbyisten würde es noch etwas nützen, Politiker zu beeinflussen. Keine Werbekampagne könnte mehr unlautere Machenschaften kaschieren und so weiter. Keine politische Partei und nicht einmal eine Regierung wäre so handlungsfähig und einflussreich.

Der Verband könnte außerdem Alternativen aufzeigen, falls der Boykott bestimmter Unternehmen schwer fällt; insbesondere bei Monopolen. Vielleicht müssten die Mitglieder sogar einen Beitrag bezahlen, um die Verbandsarbeit zu finanzieren. Aber das wär’s wert. Und das alte Problem, dass man alleine sowieso nichts ausrichten kann, wäre gelöst, wenn man weiß, dass man sich auf eine Masse an Gleichgesinnten verlassen kann.

Eigenartig. Das klingt ganz einfach eigentlich, oder? Das Gegenteil davon ist leider Realität. Dazu mal ein Tweet:

Ich halte es übrigens für sehr wahrscheinlich, dass ich nicht der erste bin, der auf diese Idee gekommen ist. Vielleicht sind dazu auch schon ganze Bücher geschrieben worden. Wenn jemand davon weiß, freue ich mich über einen Hinweis. Ich würde mich gerne tiefer mit diesem Thema beschäftigen.

Abschließend noch die Frage, ob dieses Vorhaben realisierbar wäre. Keine Ahnung. Vielleicht könnte man ja in kleinerem Maßstab regional anfangen. Angenommen, es gründen sich Ortsgruppen, die sich dann nach Bedarf gegenüber einzelnen Unternehmen zusammenschließen würden. Das wäre dann vielleicht ein Ausrufezeichen, das im Idealfall eine größere Lawine in Gang setzen würde.

2 Gedanken zu „Welt verändern

  1. Ulli

    Wie könnte ein Minecraft-Mod aussehen, das der organisatorischen Bewältigung der Black&White-Listen
    sowie einer wirksamen Formulierung&Kommunikation der sinnvollen Rückschlüsse daraus zuträglich ist?

    Und warum ein Minecraft-Mod. Und keine App. Kein Facebook. Keine Pinnwand mit wiedererkennbaren (Memen) “Warnplakaten” in oder vor jedem noch so kleinem Laden und Örtlichkeit an der ethisch differenzierter Konsum möglich ist? Warum nicht alles?

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  2. Zane C. Guerrero

    Wie greift der Verbraucherzentrale Bundesverband das Unbehagen von Verbrauchern auf?Wir können die Probleme erkennen, Themen durchdringen und aufzeigen, was verbraucherpolitisch nötig ist. In Anbetracht unserer Mittel und bei der Fülle von Themen und Aufgaben können wir das aber nicht immer mit der notwendigen Tiefe tun. Unsere Herausforderung besteht darin, Verbraucher zu aktivieren, sich selbst für ihre Rechte einzusetzen. Verbraucherschutz lässt sich nicht delegieren. Die Verbraucher sollten sich nicht alles gefallen lassen und in ihren Wahlkreisen ihre eigenen Abgeordneten fragen, wie sie ihre Interessen zu vertreten gedenken. Es gibt zu viele Fälle, in denen wir Empörung erleben, aber nicht genug Unterstützung bei der politischen Umsetzung erfahren.

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